Siedlung_Intro

Mittlerweile ist Deutschland nahezu komplett urbanisiert. Durch das gestiegene Bewusstsein für die Knappheit der Ressourcen, stirbt die Idee der expansiven Siedlungsentwicklung aus. Heutzutage werden in der Regel bereits besetzte Flächen und bestehende Bebauungs-
strukturen dem Markt mit neuen, höherwertigen Nutzungen zugeführt. Diese ständige Transformation geschieht innerhalb der Verwertungszyklen des Marktes.

Auf der anderen Seite bleibt Wohnen das Fundament jeder Form von Siedlungsentwicklung. Durch seine Permanenz und quantitative Dominanz bestimmt es nicht nur die Stadtviertel, sondern auch den Charakter ganzer Städte.

Wir wollen systematisch alle Aspekte des Wohnens im urbanisierten Raum untersuchen und gezielt die Bedingungen der heutigen Stadt unter diesem Gesichtspunkt hinterfragen. Ausgehend von den eigenen direkten Erfahrungen mit dem Thema des Wohnens können wir uns einfacher den komplexen Erscheinungen der heutigen Urbanisierungsprozesse widmen.

Dabei gehen wir vom gebauten, sinnlich wahrnehmbaren Raum aus und suchen nach den narrativen Qualitäten des Stadtraumes und seiner Architekturen. Grundlage ist ein Städtebauverständnis, das die Planung der Stadt als Teil der Baukunst und nicht vorrangig als Strukturplanung begreift. So ist das Wissen um Typologien, um Raumkonzeptionen und Diskurse über Geschichte und Ort das vorrangige Handwerkszeug unserer Arbeit. Mit der Fokussierung auf das Thema Wohnen und Stadt wird die räumliche Interdependenz von Architektur und Städtebau noch deutlicher.

Wir sehen unseren Lehrstuhl als Atelier, der Raum für eine architektonische Diskussion bietet. Durch den Fokus auf ein übergeordnetes Semesterthema für alle Entwürfe, Seminare und Vorlesungen wird die Lehre und Forschung präzisiert und vertieft. Zu jedem Semester steht der Lehrstuhl wieder als white cube zur Verfügung, damit er durch die gemeinsamen Zeichnungen, Collagen und Modelle zur Werkstatt der Ideen wird.